Presseportal
Brahms-Liederabend, Saal E, Laeiszhalle, 7. Mai 2008
Zum 175. Geburtstag des Komponisten.
O-Töne Jale Papila, Franck-Thomas Link sowie die Pressemitteilung
O-Ton Franck-Thomas Link, Pianist und künstlerischer Leiter des Hamburger Kammerkunstvereins. Länge 0 min 44 sec.
"Zudem hat mal ein grosser, also vielleicht seinerzeit der grosse Brahms-Pianist Detlev Kraus gesagt, es gibt von Brahms keine einzige überflüssige Note. Brahms stand ja da auch wahnsinnig im Streit mit der ganzen neudeutschen Schule, wo sich eine ganz neue Virtousität herauskristallisiert hat, insbesondere auf dem Klavier, und da hat Brahms überhaupt nicht mitgemacht, Brahms war einfach ein wahnsinnig konzentrierter Kontrapunktiker, er hat diesen virtuosen Rausch gar nicht gesucht, er fand das auch nicht richtig, dass diese Entwicklung geschieht, da glaube ich, dass es das schon schwieriger macht ohne Verschnörkelungen, das ist einfach nackte, pure Musik."
O-Ton Jale Papila, Altistin. Länge 0 min 27 sec.
"Also es kommt bei ihm wirklich so immer aus der gurgelnden Tiefe, sag ich mal, es ist wirklich immer extrem tief gesetzt, es ist nie dieses süßliche, oberflächliche Schmerzempfinden, wo Schumann vielleicht ach sagt, sagt Brahms ACH, das ist wirklich ein ganz großer Unterschied, ohne das werten zu wollen, es ist vielleicht auch so, dass es die Menschen nicht immer angenehm berührt, so tief zu schauen..."
O-Ton Jale Papila, Altistin. Länge 00 min 42 sec.
"Alles was mit Frauen zu tun hatte, er war ja ständig verliebt, aber binden konnte er sich nicht, also ein freiheitsliebender Mensch, er wurde übrigens Sänger des Heimwehs genannt und das drückt er ganz viel in seiner Musik aus, es ist ständiges Drängen, ständige Sehnsucht, ständig Unerfülltes zu spüren in seiner Musik, man spürt sehr selten sowas ganz Gesetztes, Erfülltes, ruhiges, wie bei Schubert ja manchmal, wenn Du an den Einsamen denkst, der sitzt da am Feuer und schaut den Grillen zu, das gibt es bei Brahms nie, das ist immer so drängend von unten..."
Die Pressemitteilung
175. Geburtstag des Johannes Brahms am 7. Mai 2008 –
Der Hamburger Kammerkunstverein gibt einen Liederabend im Studio E der Hamburger Laeiszhalle.
Der Sänger des Heimwehs: Es ist das einzige Brahms-Konzert der Stadt an diesem Abend. Ein Feature als Hörkultur-Podcast bei Radio Kammerfunk.
Im ersten Teil des Liederabends gratulieren Pauline Viardot-Garcia, Antonín Dvorák und Robert Schumann dem berühmten Geburtstagskind, repräsentativ für noch viele andere Komponisten, die Johannes Brahms sehr verbunden waren. Die Altistin Jale Papila und der Pianist Franck-Thomas Link haben sich für diese Gratulation diese drei großen Kollegen von Brahms ausgesucht, da deren Beziehungen zu Brahms eine große Gemeinsamkeit enthielten: eine tiefe innere Verbundenheit in musikalischer und persönlicher Hinsicht. Im zweiten Teil des Abend kommt eine eher ungewöhnliche Auswahl von Brahms-Liedern zum Vortrag, die in Quintessenz das künstlerische Drängen des Hamburger Komponisten zum Klingen bringen.
Sehr ambivalent erscheint Brahms in seiner Gefühlswelt – doch immer auf ein beschauliches, familiäres Glück wie bei den Schumanns schielend, ist er doch von einer Bindungsangst beseelt, hat die Einsamkeit und das Gefühl des Verlassenseins und der Leere einen nicht unbedeutenden Platz in seinem Dasein. Die Verbundenheit mit Hamburg als dem Inbegriff der Heimat entstand wohl aus der Kombination einer fürsorgenden Mutter und eines ebenso fürsorgenden Vaters, der es ihm ermöglicht hatte, seinem schöpferischen Drang nachzugehen und sein musikalisches Talent zu entfalten, trotzdem die Familie in ärmlichen Verhältnissen lebte.
Das Heimweh, die Motivik des Unbehaustseins, ist die tiefe Empfindung, die Johannes Brahms zum Ausdruck bringt. Das Leichte, Süße, Lichtvolle war nicht Brahms Naturell, womit sich die Musik so manchem erst nach eingehender Beschäftigung erschließt. Mit der engen Verwobenheit von Klavierpart und Singstimme ist der Gesang nur schwer getrennt vorstellbar, die Melodie sperrt sich eher dagegen, einfach mitgesummt zu werden. So denkt der Zuhörer eher an Felsen und eine tief grollende Nordsee denn an liebliche Bäche, vielleicht nicht zuletzt auch den norddeutschen Wurzeln des Komponisten geschuldet.
Auch wenn die Lieder von Johannes Brahms in dunkleren Farben klingen, ist dieser Liederabend im Saal E der Hamburger Laeiszhalle ein Glanzlicht an diesem 175. Geburtstag des Hamburger Komponisten – und das einzige Brahms-Geburtstagskonzert in seiner Heimatstadt, zu welcher er ein Verhältnis hatte, das schon an eine unglückliche Liebschaft gemahnt.
Mehr dazu ist auch bei Radio Kammerfunk www.kammerfunk.de in einem kleinen Feature über den Liederabend zu hören. Hörfunk-Redakteur H.-G. Hanl hat sich mit der Sängerin Jale Papila und dem Pianisten Franck-Thomas Link unterhalten, die auch ein paar Ausschnitte des Liederabends mitgebracht haben.
Der 1999 gegründete Hamburger Kammerkunstverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kammermusik als festen Bestandteil im Alltag der Stadt zu etablieren. Als solches hat er bereits über 600 Konzerte mit insgesamt mehr als 30.000 Besuchern durchgeführt.
Radio Kammerfunk ist der Hörkultur-Podcast des Hamburger Kammmerkunstvereins, in Reportagen, Features und Interviews berichtet Redakteur H.-G. Hanl über die geschichtlichen und musikalischen Hintergründe zu Konzerten. Der Podcast steht zum online Hören und als Download bereit. Zudem ist eine Auswahl von Konzert-Mitschnitten online, die das reichhaltige und vielseitige Repertoire des Hamburger Kammerkunstvereins widerspiegelt.
O-Töne zum Download im Presseportal bei Radio Kammerfunk www.kammerfunk.de
PROGRAMM
7. Mai 2008 – 19.30 Uhr Laeiszhalle – Musikhalle Hamburg / Studio E
Robert Schumann: Mignon-Lieder op. 98 a
Pauline Viardot-Garcia: verschiedene Lieder
Antonín Dvorák: Zigeunermelodien op. 55
Johannes Brahms: Zigeunerlieder op. 103 und andere
Musiker
Jale Papila, Altistin
Jale Papilas (Alt) studierte an der Musikhochschule in Dresden und schloss
ihr Solistenexamen mit Auszeichnung ab. Sie absolvierte u.a. Meisterkurse bei Elisabeth Schwarzkopf, Peter Schreier und Cord Garben. Bereits seit Jahren in ganz Europa zu hören, unterrichtet sie seit 2005 als Dozentin an der Sängerakademie Hamburg.
Franck-Thomas Link, Klavier
Franck-Thomas Link (Klavier) ist als Pianist und Liedbegleiter seit vielen Jahren international gefragt. Als Spezialist für Klavierduo und Liedbegleitung war er in Edinburgh und Tokyo zu Meisterklassen engagiert. Als Solist profilierte er sich mit seinem Können in Europa, Japan, China
und Kanada.
Pressekontakt:
Hamburger Kammerkunstverein
Thomas Mehlbeer
Tel:0 40 - 31 79 69 40
Mobil: 0 177 - 29 82 678
E-Mail: mehlbeer@kammerkunst.de
Radio Kammerfunk – der Hörkultur-Podcast
Hanns-Georg Hanl
Redaktionsbüro hghanl.com
Kielortallee 2
20144 Hamburg
040 - 414 315 587
presse@hghanl.com
Mehr Informationen unter www.kammerkunst.de